ich frag mich grade, ob ich zu anspruchsvoll bin. oder nein, eigentlich frage ich mich, ob ich meine ansprüche künstlich in die höhe schraube, um niemanden an mich ranlassen zu müssen.
da gibts diesen typen, nicht besonders attraktiv, aber auch nicht häßlich. seine mails sind nicht besonders aufregend, aber auch nicht abstoßend. in der marktforschung ist er, hat er geschrieben. dann haben wir telefoniert und ich hab nachgehakt, was er denn genau tut. tja… er sitzt im callcenter und macht telefon-umfragen, aber macht das noch nicht lang. gut und schön, jeder kann mal einen job verlieren und sich dann mit einem gelegenheitsjob über wasser halten, bis was besseres auftaucht… hab ich mir gedacht… dann hab ich ihn gefragt, was er vorher gemacht hat. tja… auch nur gelegenheitsjobs. und dann war bei mir ziemlich die luft raus. vor allem, als er sich dann noch beschwert hat, dass er keinen bürojob bekommt, weil er keine hak gemacht hat und wie unfair und gemein das ist. nur am rande: der typ ist über 40…
nichts für ungut, aber ein mann, der sein leben nicht in den griff bekommt und es nicht schafft, mit vollem einsatz für das zu kämpfen, was er sich wünscht, der turnt mich einfach nicht besonders an. bin ich deshalb ein furchtbarer snob? oder sind meine schutzmauern einfach schon so dick, dass keiner mehr durchkommt? aber ist es so übertrieben, wenn ich mir einen mann wünsche, der sich beruflich ungefähr auf der gleichen ebene bewegt wie ich und der versteht, was ich ihm erzähle, wenn ich abends heimkomm?
er hats natürlich probiert, ruft an und schickt dauernd sms, er will mich treffen, er will für mich kochen und was weiß nicht noch alles. eh klar. wenn mich mal einer dermaßen mit aufmerksamkeit überschütten würde, der mich wirklich interessiert, wär ich im siebten himmel… aber so ists mir eher unangenehm und ich fühl mich ziemlich bedrängt. schließlich hat mich der typ noch nicht mal gesehen, das ist doch alles ein bissl sehr verzweifelt, oder?
und trotzdem… ein leiser zweifel bleibt…
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